Eine Backwaren-Odyssee

Geschrieben von tellavision • Sonntag, 15. März 2009 • Kategorie: Alltag

Sonntagmorgen halb acht in Deutschland. Die Idee: Ein schönes Frühstück mit frisch vom Bäcker geholten Brötchen. Ich begebe mich also auf die Straße. Friedlich liegt sie da, keine Menschen, hier und da Rufe eines Kauzes. Es sind nur wenige Meter bis zum Bäcker am Supermarkt, auf den ich zusteuere. Von weiten sehe ich dunkle Fenster, nicht erleuchtet, ich werde nervös. Vor der Tür angekommen, lese ich das Schild auf dem die Öffnungszeiten stehen. Es gibt keine Zeiten für den Sonntag. Ich bin etwas frustriert, beschließe aber meine Suche nach frischen Backwaren fortzusetzen und laufe in die Gegenrichtung, ein Stück weiter als zum Supermarkt. Mein Weg wird von einer Katze gekreuzt, ein kleiner Streuner. Kommt er gerade oder geht er schon wieder?! Um mir nicht weiter über das Nachtleben eines Haustieres Gedanken zu machen, konzentriere ich mich auf die noch verschlafenen Häuser und noch verschlossenen Hofeinfahrten. Als mein neues Ziel in Sichtweite kommt, treffe ich auf eine alte verwirrte Dame, die die Straße auf und ab geht. Sie hält eine kleine Bäckertüte in der Hand, das lässt mich hoffen. Nun, wieder stehe ich vor der Tür, die Fenster dunkel, die Regale leer, aber ich sehe kurz eine Erscheinung einer Verkäuferin hinter der Theke. Ich klinke an der Tür, doch sie ist verschlossen. Die Öffnungszeiten verraten: Kein Einlass vor halb neun. Ich bin frustriert. Um den Ehrgeiz nach einem leckeren Frühstück weiter zu schüren, laufe ich die Straße entlang und entdecke bald schon die Reklame eines weiteren Bäckers, laufe hin und ... wieder verschlossen, an keinem Sonntag geöffnet. Ich mache also den Bogen in Richtung nach Hause. Von Aufgeben kann allerdings keine Rede sein. Mit dem Willen, nicht ohne etwas heim zu kehren, laufe ich weiter in den Ort hinein, noch einmal an meinem Wohnhaus vorbei. Wieder ein Bäcker in Sicht, doch leer ist nicht nur mein Magen, auch dessen Regale. An der Tür klebt ein Zettel: Liebe Kunden, wir sind umgezogen, an den Supermarkt. Kann es wirklich sein?! Stehe ich also zweimal bei dem selben Bäcker vor verschlossener Tür?! Spontan gerät der Gedanke, ich muss noch Geld von der Bank holen, in meinen Kopf. Gut, sie liegt auf dem Weg. Als ich endlich die Kreuzung erreiche, erblicke ich zwei sich gegenüberliegende Bäcker, bei beiden brennt Licht im Verkaufsraum. Es ist bereits acht Uhr, das Glockenläuten der Kirche macht es deutlich. Ich stoße einen Seufzer aus. Ich entscheide mich für den Bäcker, in dem gerade ein Kunde bedient wird. Dies bringt mir die nötige Sicherheit, dass der Laden auch wirklich geöffnet ist. Die Tür steht bereits auf, doch auch hier schaue ich auf die Öffnungszeiten. Sonntag ab acht Uhr dreißig. Womöglich hat der Kunde vor mir gebettelt, dass er eher rein kommt. Ich bin an der Reihe. Die Verkäuferin wirkt noch etwas verschlafen, ist aber nett. Mit der gefüllten Bäckertüte in der Hand und frohen Mutes schlendere ich in Richtung nach Hause, komme vorbei an dem gegenüberliegenden Bäcker - hier sagt ein Schild sonntags ab acht geöffnet - mache einen kurzen Halt an der Bank und laufe heimwärts. Verwundert bin ich immer noch, dass hier die Bäcker erst so spät öffnen. Nun habe ich schlussendlich für den Kauf von vier Brötchen und zwei Croissants eine Stunde benötigt, aber dafür einen schönen Spaziergang durch den frühsonntäglichen Ort gemacht.

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