Die Klasse
Geschrieben von tellavision • Sonntag, 1. Februar 2009 • Kategorie: Film-O-ThekOriginaltitel: Entre les murs (Zwischen den Mauern), Genre: Drama, Produktionsort/- jahr: Frankreich 2008, Regie: Laurent Cantet, Länge: 128 min
Darsteller: François Bégaudeau, Vincent Caire, Olivier Dupeyron, Patrick Dureuil, Frédéric Faujas
Auszeichnungen: One Future Preis (Filmfest München, 2008), Goldene Palme (Internationale Filmfestspiele in Cannes, 2008), Oscar-Nominierung Bester fremdsprachiger Film (Academy of Motion Picture Arts and Sciences, 2009)
gesehen im: Kino Gloriette, Heidelberg
Story: Der engagierte und idealistische Französischlehrer François Marin unterrichtet an einer Mittelschule in einem Pariser Viertel, das viele Migranten beherrbergt und als sozialer Brennpunkt gilt. Trotz seiner unkonventionellen Methoden machen es ihm seine autoritätsaversiven Schüler schwer, seinen Stoff zu vermitteln. Ständig kommt es zu langen erfolgsarmen Diskussionen und Respektstreitigkeiten. Die Situation eskaliert als einem der Schüler der Diziplinarausschuss und somit ein eventueller Schulausschluss droht.
Beschreibung: François Marin wird von François Bégaudeau, selbst ehemaliger Lehrer, gespielt, der dem Film mit seinem gleichnamigen Buch die Grundlage lieferte. Darin schildert er seine Erlebnisse eines Schuljahres, unverkrampft und wertungsfrei. Die Schüler werden allesamt von Laien, die im genannten "Problemviertel" aufgewachsen sind, dargestellt.
Rezension: Heutzutage wird Lehrern sehr viel abverlangt. Sie sollen Wissensvermittler, Wegweiser und zugleich Elternersatz sein und das alles in einem pädagogisch korrekten Rahmen. Dabei wird oft vergessen, dass es sich nur um Menschen handelt. Dies zeigt besonders eindrucksvoll eine, wie ich finde, sehr intime Szene des Films, in der ein junger Lehrer, in dem Schuljahr neu an die Schule gekommen, im Lehrerzimmer seiner Verzweiflung und seinem Frust Luft macht. Seine Kollegen hören angespannt und still zu, sagen aber nichts. Ein Stück alltäglicher Wahnsinn.
Während des gesamten Films herrscht eine bedrückende Grundstimmung. Dabei kommt der Titel Zwischen den Mauern nicht von ungefähr. Nicht nur, dass die Schule als einziger Drehort einen eigenen Microkosmos darstellt, die vielen Close Ups unterstreichen das Gefühl, dass man mitten im Klassenzimmer und somit im Geschehen steht.
Der Film wird beherrscht von langen Dialogen, die beweisen wie aussichtslos der Kampf beider Seiten oft ist. Letztlich wird nach wenigen Erfolgen und vielen Rückschlägen das alltägliche Leben fortgesetzt.
Da Regisseur Cantet viele tragende Rollen mit Laien besetzt hat, entsteht ein faszinierender dokumentarischer Charakter, der den Film authentischer nicht machen könnte. Man gewinnt den Eindruck als hätte jemand willkürlich einen Schnitt in der heutigen Zeit, der den Anfang des Films und einen weiteren, der das Ende bestimmt, gesetzt. Viele Fragen bleiben unbeantwortet.
Trotz Fehlens einer eigentlichen Handlung bzw. eines Spannungsbogens ist der Film ein Zeugnis eines revolutionsbedürftigen Bildungssystems und regt zum Nachdenken an. Aufgrund der vielen anstrengenden Zwiegespräche ist der Film entsprechend schwere Kinokost, aber er lohnt sich.
Fazit: Realistisches Portrait eines erschreckenden Lehreralltags und ein Spiegel der Gesellschaft, nicht nur für Frankreich. Ein Film, den sich Lehrer sowie Schüler, aber vor allem Eltern ansehen sollten, die sich oft beklagen ohne in der Lage zu sein sich ein richtiges Bild vom Verhalten ihrer Kinder in der Schule und der daraus resultierenden Machtlosigkeit der Lehrkörper und ihrer Überforderung machen zu können.
Bewertung: 


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